Ich
heiße Sandro und
bin 15 Jahre alt.

Als
ich 13 Jahre war, wurde in meinem Halsmark ein Tumor entdeckt. Zuerst
war ich in der Neurologie der Station 2, aber dort war ich falsch,
denn obwohl das mit meinem Gehirn zusammen hängt, ist es ja doch
ein Tumor, der anderst behandelt werden muss, als das dort gemacht
wurde. Also, nach vielen Fehlern, die mir auch meine Sehkraft bis auf
15% genommen hat, kam ich dann "Gott sei Dank" auf die H7.
Das ist eine viel bessere Station und es geht mir so einigermaßen
gut. Dort bin ich seit Februar 1999.
Die
Chefin auf der H7 ist Frau Dr. Barbara Selle, und sie ist nett, und
immer wenn ich etwas brauche weiß sie was mir hilft.
Unsere
Station hat 7 Krankenzimmer, in die man 3 Betten stellen kann, dann
ist es aber ganz schön eng, und jeder muss sehr aufpassen, daß man
nicht mit dem Ständer hängen bleibt. Kein Kind hat Platz
für seine Sachen und meine Mama kann auch nicht richtig zu mir
her sitzen. Also, eigentlich ist da nur Platz für 2 Kinder.
Auf
der H7 ist es eigentlich nie ruhig, wenn man schläft dann hört
man trotzdem alles auf der Abteilung. Denn eigentlich piepst immer
irgendwo eine Pumpe, oder es weint ein Kind. Aber das ist nicht so
schlimm, es ist halt so und wenn man sein Zimmer nicht verlassen kann,
dann bekommt man trotzdem immer etwas mit von den anderen Kindern.
Lustig
ist es immer dann, wenn Beate da ist. Wenn sie in das Zimmer kommt,
dann hat sie immer etwas auf Lager. "Coole Sprüche",
lustige Verkleidungen, prima Rollenspiele mit Paul und Paula, ihren
Handsprechpuppen. In dem Spielzimmer kann man sich prima verweilen.
Da gibt es eine Kuschelecke, auf der bin ich sehr oft zum Pennen oder
mit Selina spielen. Die Beate hat immer Zeit für alle Kinder,
ist herrlich verrückt, aber man kann auch mit ihr Ernstes quatschen.
Das tut immer gut.
Die
Schwestern und die Pfleger sind echt tolle Kumpel, immer cool drauf,
noch nie hat da jemand schlechte Laune gehabt. Wenn ich Chemo bekomme,
dann habe ich oft Probleme und auch oft Schmerzen. Das Essen schmeckt
mir dann nie, aber wenn ich jemandem klingle, dann kommt immer gleich
jemand und schaut nach mir. Ich muss nie Schmerzen aushalten. Wenn
ich welche habe und das sage, dann hilft man mir sofort.
Manchmal
sind Zivis auf der Station zum bei der Arbeit helfen, das ist sehr
gut für die Schwestern und für uns eine Abwechslung, die
kann man gut ausfragen, was sie so tun und was alles da draußen
so zu erleben ist.
Frau
Spindler ist für alle Eltern da, die bei Anträgen Hilfe brauchen,
wenn ein Beamter Probleme macht. Zu mir ist sie immer ganz nett, wie
zu einem Erwachsenen. Frau Friedrich macht manchmal Gesprächstherapie
mit mir. Die ist auch sehr lieb zu mir.
Aber
Donnerstagabend gibt es etwas Besonderes, ein "Zuckerle" für
die Seele. Da kommt Frau Reiser, die Seelsorgerin, und jedes Mal,
wenn sie mich zum Gottesdienst holen möchte, dann muss ich "leider
absagen". Ich habe einfach keine Lust auf Kirche und Gott, der
hat mir ja auch nicht geholfen bei meinen Tumoren und meinen Augen.
Aber Frau Reisser ist mir nicht böse, wenn ich nicht komme. Sie
sagt, sie versucht es halt immer mal wieder.
Wenn
sie meine Ausreden hört, dann lacht sie immer so schön.
September
2000 Sandro
verstarb am 21.10.2002