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Wie
es zum Mückensketch kam.....
Das
war nämlich so, Timon, 15 Jahre und an Ewing-Sarkom
erkrankt, hatte bereits in der Mitte der 80-Jahre das seltene
Glück, nach Amerika in ein Onko-Lager fahren zu können.
Ich kannte Timon, weil mein Freund auch ein Ewing-Sarkom
hatte und die beiden in der gleichen Klinik operiert worden
waren.
Timon war schon im Lager, als er uns mal anrief, uns vorschwärmte
vom Camp und eben auch von seinem Kummer erzählte,
nämlich dass es im Lager so Projekte gab zûnd
jeder musste bei einem mitmachen. Und weil Timon Ulk gerne
mochte, hat er sich bei Sketche eingeschrieben, 11 andere
Leute auch.
Leider hatte aber gar keiner davon auch nur eine Idee,
was man da spielen könnte, denn der Sketch sollte
eben von Krebs handeln und das gibt's ja nicht alle Tage
und im Fernsehen sieht man das ja auch nie. 7 der insgesamt
12 Sketch-Freunde waren schon zu andern Gruppen hinübergegangen
und in 2 Wochen sollte ein Sketch stehen für 5 Personen.
Timon war mit 15 der älteste davon.
Timon wusste aber, dass ich schon für andere Anlässe
geschrieben habe und so fragte er an, ob mir da nichts
einfiele. Ich fühlte mich ziemlich überfordert,
muss ich sagen, und ich fand an dem Krebs meines Freundes
oder dem von sonstwem überhaupt nichts zum Lachen.
Ich versprach, mich zu bemühen, hatte aber irgendwie
wenig Hoffnung, dass mir was lustiges mit Krebs einfallen
würde.
2 Tage danach fuhren mein Freund und ich zum Zelten ins
Tessin zusammen mit Prisca, welche einen Hodgkin hatte
und Manu, welche AML hatte und deren Freunden.
Wir sassen da ganz gemütlich am selber entfachten
Feuer nahe dem Fluss Maggia. Leider gab es da Stechmücken
und zwar ganze Heerscharen.
Und das Seltsame war, dass die Viecher nur
zu mir und den Freunden von Prisca und Manu
kamen, unsere "Chemofreunde"
aber anscheinend nicht mochten. Die bekamen echt keinen
Stich ab!
Da hatte ich plötzlich diese Idee, das zum Thema eines
Sketch zu machen und innert Kürze hatte ich ein gereimtes
Gedicht, welches dann von Timons 5-er-Truppe als Sketch
aufgeführt wurde.
Sie haben dazu den Mücken, das waren 2 Mädchen
von 7 und 9 Jahren, aus Krepp-Papier und Draht Flügel
gebastelt, Leuchtfühler und Baströckchen angezogen
und Klopapier-Kartonrollen zu langen Rüsseln zusammengeklebt
und das sah zum Schiessen aus, weil dann die Mücken
ja so viel grösser waren als Timon Bein, bzw. Prothese.
Es gab ein Foto davon, doch es ist verschollen.
Und
hier ist er: Der Mückensketch
Eine
Schnakendame, nicht ganz helle,landet auf der Beinprothese
von Pelle,will dort ihren Rüssel ins Bein drücken,zum Blutsaugen,
doch s’will einfach nicht glücken.
Da fliegt grad ne andere Mücke vorüber,die ruft:
„He, sind Sie bsoffe oder einfach hinüber?Sie sitzen
auf dem falschen BeinOh sind Sie dämlich, ach nein,
ach nein!“
Flink fliegt sie auf Pelles
echtes Beinund
drückt da ihren Saugrüssel reinsie
trinkt ganz gierig, in grossen Schluckendoch
plötzlich fängt sie an zu spucken.
Ihr
wird es elend und sie muss kotzen
sie findet keine Zeit mehr, um noch was zu
motzenUnd kurz bevor sie tot fällt um,kräht
die andere auf der Prothese: „Oh nein,
Sie sind dumm!
Da bohr ich lieber vergebens
und verstauch mal meinen Schlauchdafür
hab ich keine Schmerzen in meinem Bauch!“Sie
deutet auf Pelles Glatze und dann grööhlt
sie:„Oh, der Bub hat doch Chemotherapie!“„Ich
flieg nun auf ein gesünderes Beinund komme
am Morgen auch ganz wieder heim!!“
Doch just, als sie so lacht,ist
der Pelle aus süssem Schlaf erwacht,hat
gemerkt, was da passiertund hat nicht lang
studiert. Er
haut auf die Mücke, dass es nur so krachtdann
sagt er sich selber wieder Gute Nacht.Die toten
Mücken auf seinen Beinen lässt er so
liegenso sehen sie alle Stechmücken,
die vorbeifliegen.
Die sind so für alle andern eine
Warnungdenn die, welche sie sehen,
bekommen ne AhnungDie sehen, Pelles
Blut tut keiner sehr wohlUnd auf der
Prothese zu landen ist ja auch hohl. Und
s’ist eben schon so: Gibt’s
keine Haare, die den Jungen da stören,kann
der auch ganz sachte Geräusche wie
Mückenlachen hören.
Bea Pfister
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