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Diese
Geschichte hat eine Krankenschwester für eine Patientin aufgeschrieben.
Sie erlaubt einen phantastischen Einblick in den Körper und beschreibt
sehr anschaulich einige Vorgänge im Körper, insbesondere unter
Chemotherapie.
DIE GESCHICHTE DER VERSCHWUNDENEN
LEUKOZYTEN ********************************************************************
Prolog
Im
Inneren des Körpers gibt es gute und böse Charaktere,
wie im wirklichen Leben auch. Zu den guten gehören Hämo,
sein bester Freund Globus, das pfiffigste aller roter Blutkörperchen
und Metro, der Chef der Körperabwehr.

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Doch
auch eine ganze Menge Bösewichter tummeln sich hier:
Virulus führt sein kriegerische Heer der Viren an und
Toxikus ist der Herrscher aller Bakterien.
 
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Über allen aber steht der
gütige und weise alte Meister.
Er bekämpft das Böse
und hilft den Guten, soweit es in seiner Macht steht.

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Wie alles begann °°°°°°°°°°°°°°°°
Unsere
Geschichte beginnt an einem trüben Montagmorgen.
Der
Himmel ist grau in grau und hin und wieder kommt ein kräftiger
Regenschauer. Die Heldin unserer Geschichte heisst Virginie.
Sie hat Leukämie und liegt nun schon seit ein paar
Wochen in der Uniklinik auf der Intensivstation.
Nach der
Diagnose folgte die Therapie mit allem, was die moderne
Medizin zur Verfügung stellen konnte, wurde die Krankheit
bekämpft. Zur Behandlung gehörte auch eine Hochdosis-Chemotherapie.
Sie verursacht starke Nebenwirkungen wie Schwäche,
Schwindel und starke Übelkeit bis hin zum Erbrechen.
Virginie hat alles tapfer durchgestanden, auch wenn es
ihr manchmal unendlich schwer gefallen ist. Trotzdem ist
es ihr gelungen, die Hoffnung nie ganz aufzugeben und zu
kämpfen. Und trotz allem hat sie niemals ihren grossartigen
Humor verloren, ja sie schaffte es sogar, ihre Mitpatienten
mit aufzuheitern und ihnen wieder Mut zu machen.
Auch die
Schwestern und Ärzte kamen gerne zu ihr ins Zimmer,
denn ihre Fröhlichkeit wirkte auch eine erfrischende
Art ansteckend. Durch die Therapie gingen die Blutwerte
immer weiter nach unten, bis sie ihren absoluten Tiefstand
erreicht hatten. Dieser Effekt wurde erwartet.
Doch nun
hiess es warten, Tag um Tag, Blutentnahme um Blutentnahme
und hoffen, dass die Zellen wieder ansteigen mögen.
Zuerst waren es Tage, daraus wurden Wochen und die Zeit
strich immer mehr dahin. Mit jedem Tag, der vorüberging,
wurde Virginie immer trauriger. Sie vermisste ihre Familie
und ihr Zuhause. Ausserdem langweilte sie sich sehr, denn
jeder Tag war wie der andere. Die Eintönigkeit machte
ihr sehr zu schaffen. Als sie wieder einmal allein, verzweifelt
und traurig in ihrem Bett lag, gingen in ihrem Körper
seltsame Veränderungen vor.
DER AUFTRAG °°°°°°°°°°°°°°
Der
alte Meister war sehr besorgt um Virginie und fand, dass
es langsam an der Zeit war, etwas zu unternehmen. So rief
er eine ausserordentliche Generalversammlung ein. Dies
kam nur ganz selten und in sehr dringenden Fällen
vor. Deshalb ging die Ankündigung in Windeseile durch
den gesamten Körper. Einer erzählte es dem anderen
und bald wussten es alle.
Wie immer fand auch diese Versammlung
im Gehirn statt.
Der alte Meister hatte grosse Mühe,
sich Gehör zu verschaffen. Dann aber hörten alle
gespannt und aufmerksam zu.
"Hört mir zu! Ich
habe Euch etwas Wichtiges mitzuteilen. Wir müssen
etwas unternehmen! Unsere Virginie ist so traurig und so
deprimiert und wir wollen doch alle, dass sie wieder gesund
wird. Wie ihr wisst, ist dazu viel Kraft und Stärke
notwendig."
"Aber, was können wir denn tun?",
fragten die andern aufgeregt durcheinander. "Wie können
wir nur helfen?" Der alte Meister hob seine Hand und
sofort wurden alle wieder still.
"Das Wichtigste ist
jetzt, dass wir die Leukozyten finden. Wo sind die Kerle überhaupt?
Was fällt ihnen ein, nicht zur Versammlung zu erscheinen.
Hat irgendjemand etwas von ihnen gesehen oder gehört?" Wieder
wurde es sehr laut und alle diskutierten wild durcheinander.
Aber niemand wusste etwas Genaues. Der alte Meister unterbrach
das Stimmengewirr: "Wir müssen sofort eine Rettungsaktion
starten und sie suchen. Am besten, wir schicken unsere
besten und fähigsten Agenten: Hämo und Globus.
Sie haben schon viele Abenteuer bestanden und sind bestimmt
die besten Männer für so eine schwierige Aufgabe!"
Dieser
Vorschlag wurde sofort angenommen. Damit die beiden auch
genug Proviant hatten, wurde sofort damit angefangen, Sauerstoff
für die beschwerliche Reise zu sammeln.
In einer Ecke
der Versammlung taten sich freilich seltsame Dinge: Es
kam zu einer anderen kleinen Versammlung. Toxikus, der
Herr der Bakterien und Virulus, der Herr der Viren, hatten
bei der Rede des Weisen sehr genau und aufmerksam zugehört.
Nun machten sie ihre eigenen Pläne. "Für
uns, liebe Freunde, ist das Verschwinden der Leukozyten
ein grosser Segen. Denkt daran, wie oft sie uns das Leben
zur Hölle gemacht haben, indem sie uns jagten, um
uns zu fangen und zu vernichten. Nun, wo sie verschwunden
sind, können wir nach Herzenslust schalten und walten
und niemand wird es wagen, sich uns in den Weg zu stellen.
Wir werden grösser und mächtiger werden und eines
Tages werden wir die Herrscher des Körpers sein." Ausnahmsweise
waren Toxikus und Virulus sich sogar einig, wo sie doch
sonst immer darum kämpfen, wer von beiden denn wohl
der Grössere und Gemeinere sei. "Aber",
kam die besorgte Stimme einer kleinen Bakterie aus der
hintersten Reihe, "was ist mit den beiden Agenten?
Wenn sie es schaffen, die Leukozyten zu finden, haben wir
keine Chance mehr." "Papperlapapp, ihr werdet
ja wohl mit zwei lächerlichen Agenten fertig werden.
Ich verlasse mich dabei ganz auf euren Einfallsreichtum
und eure Fantasie. Alles ist erlaubt, nur schafft sie uns
vom Hals", knurrte Virulus wütend.
Bevor er jedoch
mit seiner Rede fortfahren konnte, ging ein Geschrei durch
die Menge und alles stob auseinander. Virginie bekam gerade
ein Antibiotikum infundiert und da hiess es nur noch: "Rette
sich wer kann." Damit war auch diese Zusammenkunft
schlagartig beendet. Aber er war ja auch alles gesagt worden.
Inzwischen liefen die Vorbereitungen zur Abreise der beiden
Agenten auf Hochtouren. Mit reichlich Proviant und vielen
guten Wünschen machten sie sich auf den Weg. Sie begaben
sich in die nächste Blutbahn und liessen sich mit
der Strom der Vene treiben. Inzwischen waren auch die Bakterien
und Viren ausgeschwärmt, um die beiden zu suchen und
zu vernichten. Mit jeder Stunde, in der die Leukozyten
noch verschwunden waren, vermehrten sich die Bakterien
und Viren nach Herzenslust. Sie wurden stärker und
stärker und immer unverschämter.
Das blieb natürlich
auch für Virginie nicht ohne Folgen.
Zunächst
fühlte sie sich nur nicht wohl, dann folgten Schüttelfrost
und Fieber. Die Ärzte und Schwestern reagierten sofort
und setzten ein anderes Antibiotikum an.
Inzwischen waren
Hämo und Globus auf der grossen Suche. Sie beschlossen,
den Körper systematisch abzusuchen. Zuerst wanderten
sie einen ganzen Tag durch sämtliche Venen bis hinunter
zum Fuss. Völlig erschöpft beschlossen sie, im
kleinen Zeh zu übernachten. Sie richteten sich ein
Nachtlager und schliefen tief und traumlos ein. Virulus
und Toxikus hatten inzwischen ein Kopfgeld auf die beiden
ausgesetzt. So war alles auf den Beinen, was sich irgendwie
Krankheitserreger nannte.
Ein kleiner Staphylokokkus schliesslich
fand sie und meldete es stolz seinem Herrn. Dieser beschloss
eine neue Strategie: Je kränker der Patient, desto
mehr Sauerstoff wird verbraucht und der Vorrat der Agenten
wird schneller verschwinden, als ihnen lieb ist. Wenn sie
dann schwach und ohne Energie sind, werden wir ein leichtes
Spiel mit ihnen haben. Am nächsten Morgen frühstückten
die Agenten ein paar Sauerstoffbläschen und machten
sich wieder auf den Weg. Über Nacht war ihr Vorrat
ganz schön geschrumpft und sie beschlossen, sich von
nun an einzuschränken.
DAS ABENTEUER IM DARM °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
In
den Magen zu gelangen, war gefährlich. Man konnte
sich nirgendwo festhalten.
Plötzlich, was war das?
Ein riesiger, eiskalter, brauner Schwall kam die Speiseröhre
hinabgestürzt und riss die beiden mit sich. (Virginie
hatte ausgerechnet gerade jetzt einen Schluck Cola getrunken).
Die beiden überschlugen sich mehrmals und stürzten
in Richtung Magen. Dort beruhigte sich der Strom wieder
und wurde zu einem See. Globus schwamm verzweifelt hin
und her und suchte seinen Freund. Doch so sehr er auch
rief, er konnte ihn nirgendwo entdecken.
Erschöpft
gab er schliesslich auf, kam durch die Magen-Darm-Passage
und ruhte sich in einer Darmschlinge etwas aus. Seine Verzweiflung
wuchs von Minute zu Minute und er fing an, bitterlich zu
weinen. Sollte das schon das Ende der Expedition gewesen
sein?
Der kleine Hämo war in ihrem Team immer der
Kopf gewesen, der mit den guten Ideen, und Globus hatte
die Kraft und die Geschicklichkeit, diese Ideen auch zu
verwirklichen. Sie ergänzten sich hervorragend auf
diese Weise, aber einer war ohne den anderen verloren. "Hallo",
hörte Globus plötzlich eine zaghafte Stimme, "warum
weinst du denn so? Kann ich dir vielleicht irgendwie helfen?" Erschrocken
blickte Globus auf und schaute in die fragenden Augen eines
kleinen Darmbakteriums.

Er wusste, dass diese nicht gefährlich
waren, ja sie waren sogar nötig und wichtig, um die
aufgenommene Nahrung zu zerkleinern und die Nährstoffe
dem Körper zu zu führen. Obwohl es ein Bakterium
war, gehörte es ganz sicher nicht zu Toxikus' Bande. "Oh",
schluchzte Globus, "ich bin so traurig. Ich habe meinen
besten Freund verloren. Obwohl ich überall gesucht
habe, kann ich ihn nirgendwo finden. Jetzt weiss ich nicht
mehr weiter. Ich habe Hunger und Angst, denn es ist so
dunkel hier und ich bin so schrecklich allein." "Fürchte
dich nicht. Ich werde dir helfen, deinen Freund zu finden.
Mein Name ist Colinchen. Ich kenne den Darm wie meine Westentasche.
Mit mir zusammen werden wir deinen Freund bestimmt finden.
Warte hier! Ich hole noch ein paar von meiner Familie,
denn viele Augen sehen mehr als zwei.." Sprach's und
schon war sie in der Dunkelheit verschwunden. Bevor in
Globus die Angst wieder aufkommen konnte, war Colinchen
wieder da. Sie kam mit einer ganzen Mannschaft. Alle hatten
auf dem Kopf einen Helm mit einem kleinen Lämpchen
obenauf, damit sie ihren Weg im Dunkeln fanden. Sie fuhren
in einem kleinen Boot und nahmen Globus in die Mitte. Schnell
trocknete er die Tränen.
Wer hätte gedacht, dass
es an einem so abgelegenen Ort so viele gute Freunde gibt.
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Colinchen führte sie zuerst durch den Zwölffingerdarm
in den Dünndarm. Dann wurde die Fahrt schneller und der
Strom reissender. "Halt dich gut fest", rief Colinchen, "wir
kommen jetzt zur Ileo-Coecal-Klappe. Hier gibt es viele Strudel
und es ist immer stürmisch und gefährlich.

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Aber keine Angst, wir kennen uns ja hier aus." Trotzdem
atmete Globus erleichtert auf, als sie die Stelle passiert
hatten. Sofort wurde es wieder ruhiger, ja geradezu gemächlich.
Aber halt, war da nicht ein Geräusch? "Hilfe! Hilfe!",
klang es aus der Dunkelheit. "Das ist Hämo!",
schrie Globus und sprang auf. Damit brachte er fast das kleine
Boot zum Kentern und Colinchen hatte grosse Mühe, ihn
wieder zu beruhigen. Mit ihren Lampen suchten sie in alle Richtungen.
An einer grünen Bohne festgeklammert schwamm Hämo
verzweifelt auf und ab.
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Er war so erschöpft,
dass er sich kaum noch festhalten konnte. "Gott sei Dank,
dass ihr kommt. Ich hatte überhaupt keine Kraft mehr.
Noch 10 Minuten und ich wäre bestimmt untergegangen und
elendig ertrunken. Zum Glück kam diese Bohne vom Mittagessen
vorbei und ich konnte mich irgendwo festhalten."

Dann
fuhren sie zunächst
zu Colinchens Familie nach Hause, damit die beiden sich ein
bisschen von ihren Strapazen erholen konnten. Colinchens Mutter
hatte extra ein Festessen gekocht mit ganz viel Eisen-Molekülen.
So sollten die beiden wieder zu Kräften kommen. Nachdem
sie sich gestärkt und von dem ersten Schreck erholt hatten,
kam Hämo endlich dazu, die entscheidende Frage zu stellen:
"Sagt
mal, habt ihr vielleicht irgendwo die Leukozyten gesehen?
Wir
sollen sie suchen, aber wir haben noch keine einzige Spur von
ihnen gefunden. "Leider haben wir sie auch nicht gesehen.
Wenn Freunde in den Darm kommen, wissen wir es immer als Erste
und sie sind bisher bestimmt nicht dagewesen. Aber wir werden
selbstverständlich Augen und Ohren offen halten und Euch
sofort verständigen, sobald wir etwas von ihnen hören." Damit
verabschiedeten sich Hämo und Globus von der freundlichen
Familie. "Das war ja noch mal gut gegangen!"
BESUCH
IN DER LEBER *******************
Der nächste Tag war sehr
anstrengend für unsere beiden Helden, denn die Leber ist
das grösste menschliche Organ neben der Haut. Sie ist
wie eine grosse Fabrik und innen drin herrscht hektische Betriebsamkeit.
Hämo und Globus kamen durch die Pfortader direkt hinein
ins Geschehen. Alle schienen irgendwie etwas zu tun zu haben,
sie trauten sich nicht, jemanden anzusprechen. Sie könnten
denjenigen ja aus dem Rhythmus bringen. Aber so kamen sie auch
nicht weiter.
Da sahen sie in einer Ecke eine völlig erschöpfte
kleine Leberzelle stehen, die sich etwas ausruhte.
"Dürfen
wir stören?", fragte Hämo ganz höflich. "Wir
sind unterwegs in einer wichtigen Mission. Wir suchen die Leukozyten
im Auftrag des alten Meisters. Hast du sie vielleicht irgendwo
gesehen?"
"Nein, leider kann ich nicht sagen, wo
die Leukozyten geblieben sind. Aber bei der Suche in der Leber
kann ich euch behilflich sein. Meine Schicht ist für heute
beendet und es ist mir eine grosse Freude, euch durch die verschiedenen
Abteilungen der Leber zu führen."
Zuerst kamen
sie zu der Abteilung, wo die Galle produziert wird. Viele,
viele fleissige Helfer waren mit Feuereifer bei der Arbeit,
um die erforderliche Tagesdosis zu produzieren. Alle standen
an einem grossen Mischgerät, wo die gelbgrünliche
Flüssigkeit angerührt wird. Hämo und Globus
schauten eine Weile fasziniert zu.
Dann aber wurde ihnen der
Lärm in dieser Produktionshalle einfach zuviel und sie
waren heilfroh, als Sternchen, ihr neuer kleiner Freund, sie
zum Weitergehen aufforderte. Jetzt kamen sie zu der Abteilung,
in der die Nährstoffe verarbeitet werden.
Das war wirklich
sehr interessant. Da standen Hunderte von kleinen Helfern an
einem grossen Fliessband und sortierten: Eiweisse, Fette, Kohlenhydrate;
alles muss getrennt werden und wird dann entsprechend weiterverarbeitet.

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Danach führte Sternchen sie zu der wichtigsten Abteilung
der LEBER, zur Entgiftungszentrale. Bevor sie jedoch eintreten
durften, mussten sie durch die sogenannte "Schleuse",
um sich dort Schutzanzüge und Helme aufzusetzen.

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"Hier bekommen alle Arbeiter eine erhebliche
Gefahrenzulage", erklärte Sternchen, "aber trotzdem
möchte ich hier nicht meinen Lebensunterhalt verdienen
müssen."
Hämo und Globus konnten das nur allzu
gut verstehen. Alle chemischen Produkte, wie z. B. Medikamente
kommen durch die Leber und müssen hier weiterverteilt
oder abgebaut werden.
"Im Moment ist diese Abteilung schwer
im Stress", sagte Sternchen. "Immer, wenn Virginie
ins Krankenhaus muss, heisst das für alle: Überstunden
rund um die Uhr. Vor allem die Chemotherapie macht uns dann
grosse Sorgen und viel, viel zusätzliche Arbeit, wie ihr
euch vielleicht vorstellen könnt. Dazu kommen dann noch
die vielen Tabletten, Spritzen und Infusionen.
Jeden zweiten
Tag wird die gesamte Mannschaft in dieser Abteilung ausgetauscht,
weil alle dann am Rande des Zusammenbruchs sind und wirklich
bis zum Umfallen gearbeitet haben. "Aber wir tun es alle
sehr gern, denn wir mögen Virginie wirklich sehr und drücken
ihr alle Daumen. Dafür lohnt sich jede Überstunde,
was meint ihr?" Hämo und Globus waren total beeindruckt
und nickten zustimmend.
Bald ging auch dieser ereignisreiche
Tag zu Ende.
Auch wenn sie die Leukozyten wieder einmal nicht
gefunden hatten, so hatten sie doch unglaublich viel Neues
gesehen und gelernt. Sternchen geleitete sie noch zur Lebervene,
die sie wieder sicher herausbrachte aus dem Gewirr der einzelnen
Abteilungen. Sie bedankten sich ganz herzlich für die
gute Führung und setzten ihre Suche fort.
ZWISCHENSTATION:
HERZ °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Langsam
ging ihr Vorrat an Sauerstoffzellen zu Ende und so machten
sie sich auf den Weg zum Herzen, um von dort über die
Lunge ihren Vorrat wieder aufzufüllen.
Über die untere
Hohlvene gelangten sie in den rechten Vorhof des Herzens. Plötzlich
waren sie umringt von einer grossen Anzahl roter Blutkörperchen,
die alle wild durcheinander wuselten und einen sehr verwirrten
Eindruck machten.

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Sie stoppten das nächstbeste Blutkörperchen
und fragten: “Was ist denn los? Habt ihr euch verlaufen?“ „Virginie
hat gerade eine Bluttransfusion erhalten und wir sind die Neuen.
Wir kennen uns überhaupt noch nicht aus. Irgendwie haben
wir die Orientierung verloren.“
„Das ist kein Problem“,
antworteten Hämo und Globus. „Wir waren gerade auf
dem Weg unseren Sauerstoffvorrat aufzutanken. Wenn ihr wollt,
könnt ihr uns gerne begleiten.“
Nur zu gerne folgten
die Neuen den beiden Agenten. Durch den Vorhof über die
rechte Kammer gelangten sie in die Lunge, wo sie die Möglichkeit
hatten, wieder Sauerstoff aufzunehmen. Jeder raffte zusammen,
soviel er nur tragen konnte und dann liessen sie sich durch
den linken Vorhof in die linke Kammer und wieder in die Blutbahn
der Peripherie schiessen. Hier verabschiedeten sie sich nun
von den neuen Blutkörperchen. Diese mussten ihren Weg
jetzt allein finden. Hämo und Globus aber hatten ihre
Aufgabe immer noch nicht erfüllt. „Wo sollen wir
den jetzt noch suchen?“, fragten sie sich verzweifelt.
EXPEDITION: NIERE °°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Nun
lag ein sehr gefährlicher Teil der Expedition vor ihnen:
die Niere. Sie charterten ein kleines U-Boot, um sicher durch
die kleinen Nierenkanälchen gleiten zu können und
trotzdem alles zu sehen, was zu sehen war.
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| Das U-Boot trug sie auf und ab, durch weite und enge Röhren
und durch so manche gefährliche Haarnadelkurve. Beiden war
es etwas mulmig zumute, aber tapfer setzten sie ihren Weg fort.
Plötzlich näherte sich ihnen ein anderes U-Boot und
dann noch eins. Es waren Bakterien und Viren, die zu Hunderten
durch die Nierenkanälchen streiften. Als sie die beiden
Agenten sahen, nahmen sie sofort die Verfolgung auf. Doch Globus
und Hämo holten das letzte aus ihrem kleinen U-Boot heraus.
Trotzdem verringerte sich der Abstand zu den Verfolgern zusehends.
Sie konnten schon das hämische, triumphierende Grinsen in
dem Augen der Bakterien sehen.

Hämo zitterte am ganzen Körper: „Globus,
wir sind verloren!“ Aber so schnell gab Globus nicht auf.
Durch geschicktes Manövrieren gelang es ihm, einen kleinen
Vorsprung herauszuholen, und schnell verschwanden sie in den
ableitenden Harnwegen. Hier waren sie erst einmal sicher.
Durch
eine recht holprige und stürmische Fahrt gelangten sie in
die Harnblase, wo sie sich kraftlos treiben liessen und dem Schicksal
dankten, dass sie noch einmal mit dem Leben davongekommen waren.
Globus öffnete die Kapsel des U-Boots und atmete tief
durch.
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DAS ENDE DER SUCHE +++++++++++++++
Nachdem sie eine Nacht in ihrem U-Boot geschlafen hatten,
fuhren sie am nächsten Tag über
den See.
Doch was war das? Hörten sie da nicht Stimmen,
irgendwo aus der Ferne? Angestrengt standen beide am Ausguck
und horchten in die Umgebung:
„SOS! SOS! Hilfe, wir sind
in Seenot!“, klang es irgendwo aus dem Dunkel. Sie folgten
den Rufen und sahen plötzlich, wie aus dem Nichts auftauchend,
eine kleine Rettungsinsel mit Hunderten von erschöpften
Leukozyten, die sich mehr recht als schlecht über Wasser
hielten.
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Ihr Boot schien ein Leck zu haben, denn
sie mussten immer wieder Wasser ausschöpfen. Wie waren sie glücklich, die beiden
Agenten zu sehen, die als erstes die erschöpften Leukozyten
zu sich an Bord nahmen und ihnen etwas zu essen und zu trinken
gaben.
Dann erzählten sie, dass sie seit Tagen auf der Suche
nach den Vermissten waren.
Metro, der Chef der Leukozyten begann,
stockend zu erzählen: „ Als die ganze Chemotherapie
anfing und wir nach und nach immer weniger wurden, beschlossen
wir auszuwandern, um wenigstens einige retten zu können.
Aus diesem Grunde haben wir dieses Boot gemietet und sind zusammen
los gefahren. Leider waren wir alle durch die Chemotherapie so
geschwächt, dass wir nach ein paar Tagen nicht mehr rudern
konnten. Wir gerieten in einen grossen, mächtigen Sturm,
der nach und nach zu einem Orkan wurde.
Irgendwann wurde unser
Boot dann leckgeschlagen und so erschöpft wie wir waren,
mussten wir schöpfen und pumpen, was das Zeug hielt, um
nicht mit Mann und Maus unterzugehen. Ihr ward die Rettung aus
allerhöchster Not. Wir hätten uns keinen weiteren Tag
mehr halten können.“
Hämo und Globus berichteten
nun, wie sehr sie nach ihnen gesucht hatten und wie immens wichtig
ihre Rückkehr sei. Sie erzählten vom Auftrag des alten
Meisters und von den vielen gefährlichen Abenteuern, die
sie auf ihrem Weg bestanden hatten. Dann nahmen sie die Leukozyten
mit und machten sich auf den Weg nach Hause. Sie brannten geradezu
darauf, dem alten Meister von ihrem Erfolg zu berichten.
Als
sie wieder im Gehirn ankamen, wurden sie mit grossem Jubel
und vielen Glückwünschen willkommen geheissen. Alle waren
sehr froh, dass das Abenteuer so gut ausgegangen war.
Der grosse
Meister war sehr zufrieden mit seinen beiden Agenten, weshalb
er sie für den grossen Verdienstorden vorschlug. Natürlich
gab es ein grosses Fest mit allem, was dazugehört: Essen
und Trinken soviel das Herz begehrt, dazu viel Musik und Tanz.
An diesen Tag werden alle bestimmt noch
lange zurückdenken.
Die Leukozyten aber hatten ein ganz schlechtes Gewissen, dass
sie der Grund für all die Aufregung waren und gelobten
feierlich, sich zu bessern.
Die einzigen, die sich nicht so
recht freuen konnten, waren Virulus und Toxikus, aber das ist
ja nichts Neues. Sie wurden natürlich auch nicht zur Feier
eingeladen und das hat sie von allem, was geschehen ist, ganz
bestimmt am Meisten getroffen.
ENDE GUT, ALLES GUT °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Am
nächsten Morgen kamen die Ärzte und Schwestern zur
Visite ins Zimmer.
An den strahlenden Gesichtern konnte Virginie
schon erkennen, dass es etwas ganz Besonderes zu berichten gab. „Ja“,
sagte der Doktor freudestrahlend, „ich kann die mitteilen,
dass die Leukozyten heute auf 300 angestiegen sind.
Wir können
uns das medizinisch nicht so recht erklären, trotzdem freuen
wir uns alle mit dir.“
Mit dem Anstieg der Leukozyten gingen
auch die Infektionen wieder zurück und bald konnten die
Antibiotika reduziert werden. Damit rückte der Tag der Entlassung
in greifbare Nähe und bald hiess es für unsere Virginie
Abschied nehmen von der Station.
Sie ging mit einem lachenden
und einem weinenden Auge, aber froh und glücklich, endlich
wieder nach Hause zu dürfen. So hatte sich die Quälerei
letztlich doch noch gelohnt. Alle waren froh, dass es so gut
ausgegangen war.
Im Inneren des Körpers feierte der alte
Meister ganz allein mit einer guten Flasche Wein seinen Erfolg!
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Susy Zur Mühlen
übernommen aus WIR 1/2000 mit
freundlicher Genehmigung der Redaktion und der Eltern der Autorin
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| Illustriert: Beatrice Pfister |
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