Du
hast nach dem Risiko gefragt, an Krebs zu erkranken. Also wie oft
kommt es vor, dass ein Mensch an Krebs erkrankt ?
Allgemein
musst Du zwischen Krebs bei Kindern und Krebs bei Erwachsenen unterscheiden.
Zu der Frage wie Krebserkrankungen in der Familie das Risiko für
andere Familienmitglieder beeinflussen, also z.B. für Dich komme
ich danach:
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Im Kindes- und Jugendalter kommt Krebs sehr selten vor. Es werden
pro Jahr in Deutschland etwa 1.000.000 Babies geboren. Im Kindesalter
kommen in Deutschland pro Jahr ungefähr 1.500 Krebserkrankungen
vor. Obwohl Krebs gegenüber dem Erwachsenenalter ein sehr seltenes
Ereignis ist, hat es deswegen eine grosse Bedeutung bekommen, weil
man inzwischen die Meisten Kinder, die an Krebs erkranken, heilen
kann. so kommt es, dass es immer mehr Menschen gibt, die von sich
sagen können, sie hatten einmal Krebs im Kindesalter. Die meisten
sind inzwischen erwachsen und haben vielleicht selbst Kinder bekommen.
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Die Frage nach der Krebshäufigkeit ist im Erwachsenenalter in
erster Linie altersabhängig. Da gibt es eine gute und schlechte
Nachricht für alle: Wir können immer älter werden,
aber das bedeutet auch, dass unser Organismus sich viel länger
regenerieren muss. Das funktioniert nicht immer und Krebs kann entstehen.
Ausserdem werden die besonders mit der Umwelt in direkter Berührung
stehenden Organe, also Haut, Magen und Darm durch die Ernährung
oder die Lunge viel länger mit allem in dieser Umwelt belastet.
Dadurch steigt das Risiko, Krebs zu bekommen mit dem Alter und in
Ländern mit hoher Lebenserwartung, also da, wo viele Leute sehr
alt werden, ist auch das Risiko an Krebs zu erkranken höher.
In Deutschland erkranken ca 300 000 Menschen pro Jahr an Krebs. Da
muss man aber auch bedenken, dass man früher sagte: "Der
oder die starb an Altersschwäche". Heute weiss man viel
mehr über die Ursachen der Altersschwäche. In etwa 1/4
der Menschen, die "an Alterschwäche" sterben, ist
es Krebs. Daneben gibt es andere Ursachen, die man einfach besser
weiss.
Dadurch,
dass man soviel mehr über Krebs weiss, kann man inzwischen übrigens
auch im Erwachsenalter und nicht nur im Kindesalter viele Krebsarten
heilen. Oft dadurch, dass man ihn früh genug erkennt, in Vorsorgeuntersuchungen
z.B.. Ausserdem durch inzwischen wirksame Behandlungsmöglichkeiten
(z.B. beim Darmkrebs, bei Lymphomen oder Leukämien auch im Erwachsenenalter).
Im Kindesalter werden inzwischen 3/4 aller Patienten mit bösartigen
Tumoren oder Leukämien endgültig geheilt
Diese
Zahlen sagen auch, dass man eigentlich in jeder Familie Menschen
mit Krebserkrankungen vorfinden müsste. Besonders, wenn man
die Erkrankungen im hohen Alter mitberücksichtigt, wird man
darauf kommen, dass etwa jeder 5. in der Familie an Krebs leidet
oder früher gelitten hat. Demgegenüber gibt es einzelne
Familien, in denen bestimmte Krebsarten immer wieder vorkommen, z.B.
bestimmte Darmkrebsarten. Nur in solchen Fällen muss man davon
ausgehen, dass es auch für andere Familienmitglieder ein wirklich
erhöhtes Risiko gibt. Das muss man dann argwöhnen, wenn
in einer Familie ein bestimmter Krebs bei vielen Familienmitgliedern
vorkommt oder die Häufigkeit grob über
"jeden 5." hinausgeht. In solchen Fällen sollte man tatsächlich
mit dem Hausarzt darüber sprechen, denn oft gibt es dann besondere
Vorsorgeuntersuchungen, die dann ja bekannte Risiken trotzdem wieder
verringern können.
Ich
hoffe, ich konnte Deine Fragen ein bisschen beantworten. Wenn sich
dazu noch Nachfragen ergeben, mail uns einfach noch einmal.
viele
Gruesse
Dr.med.Hauke
Sieverts
Hämatologische Ambulanz,Tagesklinik und Labor
Abteilung Hämatologie/Onkologie
Universitätskinderklinik Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 150
69120 Heidelberg
Tel.: +49-6221-56-39329 oder -2358
FAX: +49-6221-56-33582
Mitschüler
mit Krebs
Hallo!
In der Klasse meines Sohnes ist ein Kind (9) an Krebs erkrankt.
Ich möchte gerne der Mutter einen Brief schreiben und ihr zeigen,
dass wir an sie denken, doch ich bin ziemlich hilflos und weiß
nicht, wie ich es schreiben soll.
Können sie mir vielleicht Tipps geben?
Liebe
Frau B.,
es
ist ganz wichtig, wenn die Mutter des kranken Kindes ein Brief bekommt,
denn die meisten Menschen ziehen sich zurück, oft, weil sie nicht
wissen, wie sie sich verhalten sollen. Und so bleiben die Eltern mit
der Schwere und der Sorge um das kranke Kind oft sehr verlassen.
Schreiben Sie einfach, dass Sie an sie denken und vielleicht auch, dass
es gar nicht so einfach ist, seine Gedanken in Worte zu fassen. Sagen
sie ihr, dass sie mit onko-kids Kontakt haben und ihr die Adresse vermitteln
können, damit sie mehr Informationen erhält. Vielleicht freut
sie sich auch über das Angebot eines Gespräches per Telefon
oder sogar einen Besuch. Und schreiben sie in ganz "normalen"
Worten. Es ist sehr viel wichtiger, dass sie überhaupt in Kontakt
mit der Mutter und auch mit dem kranken Kind bleiben.
Ich bin selbst Psychotherapeutin und seit über 20 Jahren mit Eltern
krebskranker Kinder in Kontakt. Sie können der Mutter auch erwähnen,
dass es Seminare für Familien mit krebskranken Kindern gibt, die
wir in Heidelberg veranstalten und wenn es dem Kind etwas besser geht,
eine gute Möglichkeit bieten, Informationen zu erhalten und andere
betroffene Eltern kennen zu lernen.
Mit
herzlichen Grüßen
Dr. Heide Häberle, psychologische Psychotherapeutin
Gewichtsverlust
nach Behandlung
Hallo,
unser
Sohn hat eine erfolgreiche Krebstherapie hinter sich, jetzt will er
nicht richtig essen und nimmt ab. Müssen wir etwas unternehmen?
Liebe
Familie S.,
Sie
haben uns in Onko-kids geschrieben und daher möchte ich Ihnen
darauf antworten.
Ich bin Psychotherapeutin und seit über 20 Jahren begleite ich krebskranke
Kinder und ihre Familien.
Was Sie bei Ihrem Sohn zur Zeit erleben, ist aufgrund der sehr belastenden
Therapie ganz häufig anzutreffen. Doch sollten Sie immer Ihre behandelnden
Mediziner fragen, ob eine evtl. Gewichtsabnahme im Rahmen der Therapie
ist.
Meine
Erfahrungen sind es, dass die Kinder sehr wohl nach einiger Zeit wieder
Appetit haben und alles nachholen. Wenig Sinn hat es, sie mit
"gesunder" Kost, die ihnen oft gar nicht schmeckt, zum Essen
zu bringen. Oft essen sie lieber in dieser Zeit Pommes etc., Dinge die
eher nicht so nahrhaft sind. Doch ist es besser, wenn sie irgendetwas
zu sich nehmen, vor allem, wenn es viele Kalorien hat, so z.B. auch Schokolade,
Eis etc.
Auch
würde ich gar nicht so oft über das Essen sprechen, das erweckt
nur Ablehnung, einfach etwas hinlegen. Die Kinder haben in dieser Zeit
ja auch wenig Bewegung, was auch den Appetit verringert, daher ist
es gut, so viel wie möglich nach draußen zu gehen und so
weit möglich mit anderen Kindern in Kontakt zu bleiben. Dies ist
natürlich nach einer Transplantation erst einmal schwierig.
Ich möchte Ihnen aber auch von unseren Angeboten in Heidelberg berichten,
die Sie auch in onko-kids nachlesen können. Wir veranstalten Wochenende
für die ganze Familie mit kranken Kindern und ihren Geschwistern.
Sie treffen dort andere betroffenen Familien und erfahren auch medizinische
und psychosoziale Dinge im Umgang mit der Erkrankung. Im Waldpiraten-Camp
bieten wir Freizeiten für Kinder ab 8 Jahren und für die Geschwister
an, was vielleicht - je nach Alter Ihres Kindes - nächstes Jahr
in Frage kämme.
Falls
Sie Interesse an diesen Angeboten der Deutschen Kinderkrebsstiftung
haben, können wir Ihnen gerne Unterlagen zukommen lassen. Es ist
sehr hilfreich mit anderen Eltern in Kontakt zu kommen. Haben Sie auch
schon an eine Fmilien-Rehabilitation (Nachsorgekur) in Sylt, Bad Oexen,
Tannheim oder Katharinenhöhe im Schwarzwald gedacht? Diese Maßnahme
wird von der Krankenkasse bezahlt.
Ich
hoffe, dass es Ihrem Sohn und der ganzen Familie bald besser gehen
wird, denn die "Zeit heilt Wunden" auch nach einer so schweren
Erkrankung.
Mit
ganz herzlichen Grüßen
Ihre Dr. Heide Häberle, psychologische Psychotherapeutin