| Wie
fing alles an?
Ende März 01 klagte Miriam über Schmerzen im linken
Knie. Wir haben das erst mal nicht so ernst genommen und es
aufs Wachstum geschoben oder das sie sich beim Tanzen nicht
richtig warm gemacht hatte. Es ging auf die Osterferien zu
und wir sind in den Urlaub gefahren, dort wurden die Schmerzen
immer schlimmer. Miriam hat trotzdem alles mitgemacht, wir
sind sogar noch Inliner gefahren und selbst Badminton spielte
sie mit. An einem Tag tat ihr Knie sehr weh und wir haben es
uns angesehen und festgestellt, dass dieses an der innen Seite
geschwollen war. Wir haben einen Salbenverband gemacht und
es gekühlt.
Nach dem Urlaub sind wir dann gleich zum Arzt gegangen. Dieser
sagte, dass sie sich wohl eine Zerrung zugezogen hat. Sie
bekam einen Salbenverband und wir sollten kühlen und
das Bein hochlegen. Damit sie das Knie nicht so sehr belastet
haben wir Stützen besorgt. Damit ist sie auch zur Schule
gegangen. Es verging ca. 1 Woche und Miriam bekam ganz starke
Schmerzen, die sie kaum noch aushalten konnte. Ich bin dann
mit ihr in die Unfallklinik gefahren. Dort wurde sie geröntgt,
und sie meinten das Miriams Innenmeniskus wohl verletzt ist.
Sie bekam wieder einen Salbenverband, Schmerztabletten und
wir sollten wieder kühlen, falls es in drei Tagen nicht
besser ist, sollten wir mit ihr zum Orthopäden.
Es wurde natürlich nicht besser und wir sind dann eine Woche
später mit ihr zum Orthopäden gefahren. Der hat uns
nach der Untersuchung gleich zur Kernspinuntersuchung überwiesen.
Doch bis wir dort einen Termin hatten vergingen ein paar Tage.
Auf einen Samstag sind wir dann dorthin gefahren. Der Arzt sagte
uns, dass mit ihrem Meniskus was nicht stimmte, er sich aber
noch mit seinen Kollegen beraten möchte und uns dann Montag
Bescheid gibt.
Am Montag haben wir dann den Verdacht mitgeteilt bekommen: eventuell
Knochenkrebs. Wir sollten sofort vorbei kommen und dann mit
ihr zur Computertomografie. Wir haben Miriam abgeholt und
sind sofort los. Nach den Untersuchungen sind wir dann mit
allen Bildern zum Orthopäden, der gleich einen Termin
mit der Klinik gemacht hat. Wir sind dort gleich den nächsten
Tag um 10.00 Uhr hin. Dort wurde sie nach Begutachten der
Bilder aufgenommen. Das war am Dienstag, und am Donnerstag
wurde sie operiert und eine Gewebeprobe entnommen. Man sagte
uns, dass es ein Tumor sein könnte, man sich aber nicht
sicher ist. Wir haben in der ganzen Zeit nicht damit gerechnet,
dass es Krebs ist. Wir sind davon ausgegangen, dass es was
am Meniskus ist und wieder weg geht.
Doch am Montag erfuhren wir dann die Wahrheit. Miriam hat Knochenkrebs
/ Ostesoarkom. Wir als Eltern waren wie betäubt. Ich
bin bis heute nicht sicher ob Miriam verstanden hat, zu dem
Zeitpunkt, was sie hat und wie ernst es ist. Dann ging alles
ganz schnell. Miriam wurde den nächsten Tag in die Medizinische
Hochschule auf die onkologische Station verlegt. Von da an
konnten wir es nicht mehr leugnen. Wir wollten es irgendwie
nicht wahrhaben. Doch als wir auf die Station kamen und die
anderen Kinder sahen alle ohne Haare da war es klar.
Dieses war einer mit der schlimmsten Momente. Wir wussten ja
nicht was auf uns zu kam und uns erwartet. Klar, man hat
von Krebs gehört sich aber nie damit Beschäftigt,
weil es einen ja nicht betraf. Doch auf einmal war alles
anders.
Wir wurden von den Ärzten und vom Sozialpsychologischen
Dienst sehr gut beraten und aufgeklärt. Die Ärzte haben
sich viel Zeit genommen gerade Miriam haben sie alles erklärt
was jetzt mit ihr weiter passiert und welche Wirkung die Chemo-
bei ihr habe wird. Dann ging alles ganz schnell. Am nächsten
Tag bekam sie einen Port und dann ging es gleich los mit Chemo-.
Einerseits hatten wir Angst und andererseits waren wir froh,
dass sie nun an den Krebs ran gehen.
Miriam hatte zu dem Zeitpunkt sehr lange Haare und sie hat bis
zum letzten darauf gehofft, das ihr die Haare nicht ausfallen
werden. Wir hatten ihr angeboten, sich die Haare kurz zu
schneiden, doch das wollte sie nicht. Schon nach der ersten
Chemobehandlung vielen ihr die Haare büschelweise aus.
Nach der zweiten waren ihre Haare so verfilzt, dass alles
nur noch ein Knoten war.
Sie war dann doch soweit, dass sie die Haare kurz haben wollte.
Meine Schwägerin ist dann in die Klinik gekommen und hat
ihr die Haare geschnitten. Ich musste dabei rausgehen, es tat
mir in der Seele weh, da ich wusste wie sehr sie an ihren Haaren
hing. Doch sie verzog keine Miene. Ich glaube, dass sie das abends
mit sich selber ausgemacht hat. Heute kann ich mir Miriam mit
langen Haaren nicht mehr vorstellen . Für uns ist es ganz
normaler Alltag sie ohne zu erleben. Nun kamen ständige
Klinikaufenthalte, eine Chemo- nach der anderen und etliche Untersuchungen.

Bald mussten wir erfahren das Miriam auch Metastasen in der Lunge
hat. Trotz der Chemo wurde ihr Knie immer dicker. Wie
wir erfahren mussten, schlug die Chemo nicht an. Und es wurde überlegt
die Op vor zu verlegen. Miriam wusste zu dem Zeitpunkt noch
nicht was operiert werden sollte. Sie dachte immer noch,
dass nur der Tumor raus muss und dann ist alles wieder in
Ordnung. Wir sollten erst mal warten mit der Aufklärung
um sie nicht zu verunsichern. Ich fand es schlimm, dass ich
mehr wusste als sie. Wir hatten ihr bis dahin nichts verheimlicht
und das belastete uns sehr. Und ich glaube, dass sie was
geahnt hat. Wir haben dann mit den Ärzten gesprochen
und darum gebeten, dass wir mit ihr reden, da der Druck einfach
zu groß wurde.
Dann war es so weit und wir hatten große Angst. Den Tag
werden wir nie vergessen. Wir haben uns mit dem Oberarzt, Stationsarzt,
Psychologen, einer Schwester und wir als Eltern zusammengesetzt.
Der Arzt erklärte ihr, warum wir hier sind und welche
Operationsmöglichkeiten es gibt. Er sagte ihr auch, dass
es bei ihr wohl eine Amputation werden wird. Wir dachten nun,
dass sie vielleicht weint oder wütend ist, aber nichts
von alledem. Sie fragte nur, ob sie wieder laufen kann, und
dann sagte sie nur: " und deshalb musste ich her kommen".
Wir alle waren sprachlos , da wir mit so einer Reaktion nicht
gerechnet haben und die Ärzte glaube ich auch nicht.
Sie hatte dann noch dreimal Chemo- und dann ging es zum Operationsgespräch. Wir
hatten uns in der zwischen Zeit Informationsmaterial geben lassen. Wir
sollten uns zwischen einer Amputation oder Umkehrplastik entscheiden. Nach
dem Infomaterial, das wir bekommen hatten, war für uns klar,
dass wir keine Umkehrplastik wollten. Mit
der Einstellung sind wir in das Gespräch gegangen. Doch
ich muss sagen, dass uns der Professor richtig gut beraten hat.
Er hat sich viel Zeit genommen uns alles zu erklären. Alle
Vor- und Nachteile der beiden Operationsmöglichkeiten. Er
hat uns noch einen Film mitgegeben in dem Betroffene, die eine
Umkehrplastik haben, ihren Alltag schildern. Wir haben Miriam
die Entscheidung
überlassen. Da wir meinten, dass es ihr Körper
ist und sie damit leben muss. Wir werden - egal
welche Entscheidung sie trifft - voll hinter ihr stehen.
Und für Miriam war klar, dass sie die Umkehrplastik
will.
Wenn
ich jetzt zurück blicke bin ich froh, dass die Entscheidung
so ausgefallen ist.
Am 22.08.01 war die OP, die sie gut überstanden hat. Mit
der Umkehrplastik kam sie von Anfang an gut zu recht. Nach der
OP ging es gleich mit Chemo- weiter. Uns
ging es jetzt auch besser, da der Tumor nun beseitigt war.Nach
der Chemo- ging es gleich zur Prothesen Anpassung. Es ging alles
Hand in Hand. Zu Weihnachten bekamen
wir unser schönstes Geschenk: da erfuhren wir, dass die
Metastasen in der Lunge verschwunden sind. Miriam hat jetzt noch
eine Chemo vor sich. Dann ist sie durch. Mittlerweile
läuft sie in der Wohnung schon ohne Stützen und sie
macht jeden Tag Fortschritte.
Es war und ist eine stressige Zeit. Die ganzen Klinikaufenthalte,
Krankengymnasten, Lehrer und dann noch dem Geschwisterkind
gerecht zu werden. Es ist keine Zeit mehr für einen
selber und für die Familie. Alles hat sich total verändert. Aber
man wächst mit der Aufgabe und vieles ist zum Alltag
geworden.
Im
Juni 2002 fahren wir zur Familienkur nach Sylt. Darauf freuen
wir uns alle. Endlich mal wieder Zeit für die Familie. Ich
hoffe, dass jetzt alles so gut weiter läuft. Ich finde
es auch erstaunlich was man für Kräfte entwickelt
womit man nie gerechnet hat.
Und besonders stolz bin ich auf meine Tochter. Sie hat alles
super mitgemacht, hat sich nie beschwert. Sie ist am
Lachen und schaut immer nach vorne. Sie hat uns sehr
viel Kraft gegeben. Sie setzt sich selbst ihre Ziele
und hält dies auch ein. Wenn
es ihr gut geht ging, ging es uns auch gut, ging es
ihr schlecht dann uns auch.
Das
Schlimmste an dieser Sache fand ich, das wir als Eltern
so hilflos sind. Wir können unseren Kindern nur beistehen,
alles andere müssen sie ganz alleine machen. Und das
war manchmal sehr schwer.
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Es
sollte nicht sein!!
Im Januar hatten
wir unsere letzte Chemotherapie, und es ging los mit den Abschlussuntersuchungen.
Wir haben uns alle riesig gefreut.
Bis zum 25.01.02..
Da traf es uns wie ein Blitz. Das CT-Bild der Lunge hat ergeben,
dass sich zwei neue Metastasen gebildet hatten. Und das Skelettszintigramm
zeigte auch Stellen am Bein. Dieses konnten wir durch den Professor,
der sie am Bein operiert hat, zum Glück widerlegen. Das
wäre für Miri das Schlimmste gewesen.
Wir waren alle
sehr geschockt. Miriam weinte und alle anderen auch. Wir konnten
es überhaupt nicht fassen. Es sah doch alles so gut aus.
Wir hatten uns sogar schon von der Station verabschiedet, und
Miri war froh, keine Chemo mehr zu bekommen. Sollte alles umsonst
gewesen sein? Wir freuten uns doch alle, wieder einen normalen
Familienalltag zu haben, und Miri sollte nach Ostern wieder
zu Schule gehen, und unsere Kur bestand ja auch noch.
Die Kur wurde
abgesagt (verschoben), und die Lungenoperation wurde festgesetzt.
Auf den 6. März 02. Es sollte eine große OP werden.
Sie haben den Brustkorb komplett geöffnet, um die Lungenflügel
abzutasten, um ganz sicherzugehen, dass sie alles erwischen.
Mit so einem schnellen Rückfall hatte keiner gerechnet.
Am 05.03.02 musste
sie in die Klinik. Wir sollten schon früh da sein, um
alles zu besprechen. Aber wie das so ist, mussten wir lange
warten. Ein Zimmer hatten wir auch nicht, da noch keines frei
war, aber sie wussten wenigstens, dass wir kommen. Gegen Abend
bekam Miriam ein Zimmer, und die Besprechungen liefen an.
Am 06.03.02 kamen
wir sehr früh in die Klinik, da Miriam als zweite operiert
werden sollte. Miriam war überhaupt nicht nervös
oder aufgeregt. Sie sagte nur: "Ich schlafe ja sowieso
und bekomme nichts mit."
Zuerst kam die Visite, wo wir erfuhren, wer sie operiert und
dass es sich etwas verzögern wird. Als es soweit war, bekam
sie ein Medikament, das sie ruhigstellen sollte. Miriam kannte
das schon von ihrer Beinoperation und sagte nur: "Das hilft
sowieso nicht." Aber siehe da, es dauerte nicht lange, und
sie hatte Schwierigkeiten, die Augen aufzuhalten. Sie wollte
mit aller Macht wach bleiben bis in den OP. Doch das hat sie
nicht geschafft. Wir haben sie noch runter bis vor den OP begleitet
und haben uns dann verabschiedet. Es war ein sehr schweres Gefühl,
sie dort alleine zu lassen, da wir nicht wussten, was passieren
wird und was sie in der Lunge vorfinden werden.
Dann begann das
lange Warten. Wir sind in der Zwischenzeit zu Freunden gefahren,
die uns etwas abgelenkt haben. Gegen 16.00 Uhr konnten wir
dann zu ihr auf die Intensivstation. Für mich war das
ein richtiger Schock. Ich hatte zuvor nur die Aufwachstation
gesehen, und als wir sie dort so liegen gesehen haben mit den
vielen Apparaten und Schläuchen, da bekam ich doch weiche
Knie, und ich musste erst mal raus, um Luft zu schnappen. Von
den Ärzten erfuhren wir, dass alles gut verlaufen war
und sie auch nur die zwei Metastasen gefunden haben. Das war
erst mal eine große Erleichterung. Am Abend wurde Miri
von der Beatmung genommen. Sie konnte schon gut selbst atmen.
Und der Schlauch störte sie sehr. Sie ist eben eine Kämpfernatur.
Die nächsten Tage wurden richtig hart. Sie hatte drei
Schläuche im Brustkorb, die so doof angeordnet waren,
dass sie sich nicht bewegen konnte. Jede kleinste Bewegung
tat ihr weh. So konnte sie nur auf dem Rücken liegen.
Wir haben sie mit den Schwestern zusammen fast jede 10 Minuten
eingerieben und versucht, sie mit Kissen etwas anders zu lagern,
damit sie besser liegen konnte. Aber egal, was wir versucht
haben, es tat alles weh und hielt nur für ein paar Minuten.
Es war für sie die Hölle, Tränen liefen ihr
bei jeder Bewegung, und wir standen dabei und konnten einfach
nichts machen. Man ist total hilflos und möchte am liebsten
mit heulen. Doch wir müssen Stärke beweisen, damit
sie Kraft hat weiterzumachen. Nach drei Tagen kam der mittlere
Schlauch raus und den Tag darauf der zweite. Ab da ging es
ihr schon besser. Als dann der letzte Schlauch gezogen war,
war sie wie ausgewechselt. Sie fing wieder an zu essen, lachte
wieder und war froh, endlich mal wieder zu sitzen. Wir hatten
sie in einen Sessel gesetzt. Von da wollte sie gar nicht mehr
zurück in ihr Bett. Nach einer Woche und einem Tag konnte
sie nach Hause entlassen werden. Das war eine Superleistung
nach so einer großen OP.
Viel Zeit, um
sich zu erholen, blieb ihr leider nicht. Es ging schnell mit
Chemo weiter, dieses Mal eine andere Zusammensetzung,
da die andere nicht gewirkt hatte.
Also wieder
von vorne!!
Es wurden sechs
Chemos angesetzt. Nach der dritten sollte wieder ein CT-Bild
folgen. Die Chemos hat sie gut vertragen. Sie hatte kaum Nebenwirkungen.
Es hielt sich in Grenzen. Nach vier Chemos war es soweit, und
es wurde ein CT gemacht. Das Warten begann. Am 05.06.02 mussten
wir in die Klinik zum Echo und zur Blutbildkontrolle. Als wir
bei der Ärztin saßen und der behandelnde Oberarzt
dazu kam, war mir schon klar, dass etwas mit dem CT-Bild nicht
stimmt. Und ich sollte Recht behalten. Es waren wieder zwei
Metastasen in der Lunge entdeckt worden. Dieses Mal sind sie
unter der Chemo gewachsen. Ich muss sagen, dass ich dieses
Mal nicht so geschockt war. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht
war man vorbereitet und nicht wie letztes Mal. Miriam hat es
gelassen hingenommen. Am anderen Tag wollten die Onkologen
mit den anderen Ärzten (Radiologen und Chirurgen) besprechen,
wie es weiter gehen soll. Um eine neue OP würde sie wohl
nicht herumkommen. Das ist nun der zweite Rückfall in
kürzester Zeit. Die Chirurgen haben sich entschieden,
wieder die Lunge zu operieren und somit den Onkologen Zeit
zu verschaffen, sich etwas auszudenken, was sie dann weiter
geben wollen und können. Es sollte erst ein kleiner Eingriff
sein. Doch dann haben sie sich entschlossen, doch wieder ganz
aufzumachen. Miriam war damit einverstanden und hat sich sogar
vorgenommen, es dieses Mal in einer Woche zu schaffen. Am 18.06.02
musste Miriam in die Klinik, und für den 19.06.02 war
die OP angesetzt.
Vorab am Sonntag
war Miriam mit ihrer besten Freundin im Bro/Sis-Konzert und
hat die Band live hinter der Bühne gesehen und kennengelernt.
Das hat ihr richtigen
neuen Lebensmut gegeben und neue Kraft, um weiter gegen die
Krankheit anzukämpfen. Für die OP und für ihr
Selbstvertrauen war es genau das Richtige. Gerade in der Situation
ist es wichtig, den Kindern etwas zu geben, damit sie sehen,
dass es sich lohnt zu leben, dass Leben auch Spaß machen
kann und dass es so viele Sachen gibt, die man noch erleben
kann. Das war wirklich das Beste, was uns passieren konnte.
Am 19.06.02 sind
wir dann in die Klinik gefahren.
Wie es halt wieder
so ist, war wieder kein Zimmer und kein Bett da. Aber das kennen
wir ja schon, und wir sind da sehr geduldig. Am Abend bekam
sie dann ein Einzelzimmer und ein Bett. Miriam wollte, dass
wir morgens ganz früh kommen, damit wir sie filmen konnten,
wenn sie das Beruhigungsmittel bekommen würde, da sie
letztes Mal nur Blödsinn gemacht hat und dieses nur von
unseren Erzählungen kannte. Dieses Mal wollte sie es selbst
sehen. Miriam war für 12.00 Uhr geplant. Wir hatten uns
dann abends verabschiedet und wollten morgens erst einmal frühstücken
und dann gegen 10.00 in der Klinik sein. Doch um 8.00 Uhr erreichte
uns von Miri ein Anruf, dass sie gleich rankommen würde.
Sie ist vorgezogen worden. Also haben wir alles stehen und
liegen gelassen und sind in die Klinik gestürmt. Und wie
es dann so ist, kam es anders. Miri bekam um 11.30 Uhr das
Medikament. Sie wartete, dass irgendetwas passiert, doch dieses
Mal wirkte es nicht. So haben wir sie um 12.00 Uhr bis zum
OP begleitet und uns verabschiedet. Wir sind wie letztes Mal
zu Freunden gefahren, um auf andere Gedanken zu kommen.
Dieses Mal dauerte
es länger, und wir wurden sehr unruhig. Um 19.00 Uhr konnten
wir endlich zu ihr. Dieses Mal war es nicht so schlimm, da
wir den Anblick kannten. Dieses Mal hatten sie die Schläuche
besser gelegt, so dass sie sich auch bewegen konnte. Sie haben
sie immer wieder in Schlaf versetzt, da die OP doch sehr anstrengend
war. Sie wollten sie noch bis morgen früh beatmen, damit
sie Ruhe hat. Doch in der Nacht wurde sie extubiert. Miri hat
sich mal wieder durchgesetzt. Die Ärzte sagten, dass es
dieses Mal schwieriger war, da sie schon viele Vernarbungen
hat. Sie haben eine Verwachsung und zwei Metastasen herausgeholt.
Der Arzt sagte uns auch, dass sie dieses Mal länger bräuchte,
um sich zu erholen. Doch da kennt er Miri schlecht. Dieses
Mal ging es ihr viel besser, und sie erholte sich mit jedem
Tag besser. Und sie hat es tatsächlich geschafft: Nach
einer Woche wurde sie nach Hause entlassen.
Nun begann die
große Frage: Was passiert weiter?
Miriam bekommt
jetzt eine neue Zusammensetzung verschiedener Chemos, mit der
Hoffnung, dass diese nun anschlägt. Sie hatte nicht gerade
viel Zeit, um sich zu erholen, da sie kein Risiko eingehen
wollten.
Die erste Chemo
begann am 4. Juli.
Am 10. Juli sind
wir erst einmal in den Urlaub nach Cuxhaven gefahren.
Geplant war eine
Woche. Doch leider mussten wir nach fünf Tagen abbrechen,
da die Blutwerte von Miri sehr schlecht waren. Aber immerhin
haben wir fünf Tage geschafft. Ich bin dann mit ihr zurück
in die Klinik gefahren, und mein Mann ist mit unserem Sohn
noch dageblieben.
Dann musste sie
ein paar Tage in der Klinik bleiben wegen Fiebers und schlechten
Werten. Das Schlimmste war eigentlich, dass sie nicht essen
konnte, da die Hals- und Mundschleimhaut kaputt war, und mit
Essen konnte man ihr noch eine große Freude machen. Das
macht sie sehr gerne, wenn man ihr etwas Schönes kocht
oder mal essen geht.
Es wurden jetzt
zwei Chemos angesetzt. Diese hat sie jetzt durch. Und am 14.08.02
ist ein CT angesetzt. Dann wollen sie sehen, ob es was gebracht
hat.
Die letzte Chemo
hat sie sehr geprägt, da sie starke Nebenwirkungen hatte
und ihre Werte mal wieder voll im Keller sind. Sie braucht
jetzt sehr lange, um sich zu erholen. Wir hoffen ja, dass,
wenn es ihr so schlecht geht, dann die Chemo jetzt richtig
wirkt und die Zellen zerstört.
Wir können
nur hoffen und warten.
Durch die Rückfälle
bleiben die Krankengymnastik und die Fertigstellung der Prothese
auf der Strecke. Doch das ist zurzeit das kleinere
Übel, und mit der provisorischen Prothese kann sie super
laufen. Erst einmal muss sie wieder zu Kräften kommen und
Kraft sammeln.
Doch ich
bin mir sicher: Mit ihrem Lebensmut und Lebenswillen wird
sie die Krankheit besiegen.
Das CT im Oktober
hat neue Metastasen gezeigt. Immer noch kein Ende.
Miriam ist am 25.03.03 gestorben. Sie hat den Kampf leider nicht
gewonnen. Doch hat sie nie aufgegeben und alle ihre Ziele die
sie sich gesteckt hat sie erreicht.
Und immer sind irgendwo Spuren Deines Lebens:
Gedanken, Bilder, Augenblicke und Gefühle.
Sie werden uns immer an Dich erinnern
und Dich dadurch nie vergessen lassen.
Sie wird immer in unseren Herzen bleiben.
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